Hallo!
Eigentlich halte ich mich aus solchen Diskussionen gerne raus, aber irgendwie habe ich doch das Bedürfnis mich zu äußern, ich kann alle Seiten verstehen. Was habe ich für Zweifel gehabt. Und Ihr alle hier habt mir mit all Euren unterschiedlichen Meinungen und Erfahrungen bei all meinen Entscheidungen geholfen. Das macht doch ein Forum aus. Man bekommt neue Sichtweisen auf die Dinge und wird dadurch etwas aus der endlosen Schlange des Nachdenkens ein Stückchen weit herausgeholt. Besonders die kontroversen Gedanken bringen uns doch zum Nachdenken. Auch wenn man danach trotzdem anders entscheidet, aber man hat die Möglichkeit seine Meinung zu ändern und die Erfahrungen anderer gehört.
Ich selbst habe vor vielen Jahren einen älteren Herrn gekannt, der an Darmkrebs erkrankte und Operationen und Behandlungen gegen den Rat der Ärzte ablehnte. Er lebte noch einige Jahre glücklich mit der Erkrankung. Leider ist mir nicht bekannt, ob er and den Folgen der Erkrankung, oder an "Altersschwäche" gestorben ist. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich Ihn damals nicht verstanden habe, aber bei seinem Tod gedacht habe, es war gut so, er hat glücklich gelebt. Für ihn war es sicher die richtige Entscheidung, da er immer besonders naturbewusst gelebt hat und eine Operation für Ihn mehr Einschränkungen bedeutet hätte.
Jeder ist zunächst einmal für sich selber verantwortlich. Keiner kann einen dazu zwingen, sich einer Behandlung zu unterziehen, die man nicht möchte, oder die man für nicht wirkungsvoll genug hält.
Wenn man eine Partnerschaft oder Ehe eingegangen ist, ist man aber auch ein Stückchen weit mit verantwortlich für den anderen. Ganz wie schon Antoine de Saint-Exupéry sagte: du bist zeitlebens für das verantwortlich, was Du dir vertraut gemacht hast.
Ich weiß sehr gut, wie unsere Angehörigen leiden, ich sehe das täglich bei meinem Mann. Es ist für mich fast unerträglich zu sehen, wie er nervlich abbaut und Angst um mich hat. Wie er auch darunter leidet, dass seine Zukunft anders verlaufen wird, als er es sich erträumt hat. Ich sehe, wie er darunter leidet, über die Zukunft nachzudenken, die Zukunft unserer Kinder. In meinem Freundeskreis sind im letzten Jahr 3 liebe Freunde an Krebs gestorben, sie waren alle grade um die 40. Ich habe mit Ihren Familien geweint und sehe wie Ihre Partner und Kinder täglich leiden. Alle 3 haben gekämpft und dadurch sicher eine schwere Zeit gehabt, aber alle 3 haben dadurch sicher einige Zeit länger gelebt. Und ich brauch nicht die Kinder oder Ehepartner fragen, ob sie dafür dankbar sind.
Auch die andere Seite ist mir vertraut. Ich selbst habe unmittelbar vor meiner Diagnose meine an Krebs erkrankte Mutter gepflegt und die Zeit war sehr schwer. Aber ich habe trotz aller Strapazen so sehr gehofft, dass ihr noch irgendwas helfen kann. Es war für mich am schwersten, als die Ärzte sagten, es gäbe keine Therapie mehr. Man ist als Angehöriger sowieso viel hilfloser als der Patient selbst.
Mein größter Respekt gilt unseren Angehörigen!
Kämpfen lohnt sich immer und ganz gewiss gegen den Tod, denn kämpfen wir da gegen nicht schon seit wir auf der Welt sind?
Aber: jeder hat das Recht, frei zu entscheiden, ob er sich behandeln lassen möchte, oder nicht. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Und nur der Patient selbst kann einschätzen, ob er die Kraft hat zu kämpfen. Ich habe grade ein Buch gelesen, in dem auch die Chemotherapie sehr stark kritisiert wird. "Krebs natürlich heilen: Wie sie sofort beginnen können, ihre Gesundheit zu retten" Das Buch hat mir nicht gut getan. Aus meiner beruflichen Erfahrung heraus weiß ich, dass man Krebs nicht alleine mit natürlichen Mitteln heilen kann und dass solche übertriebenen Diäten sogar krank machen können. Auch da gibt es Leute, die sich frei für eine solche Art der Therapie entscheiden.
Aber auch aus meiner beruflichen Erfahrung heraus habe ich eine gesunde Skepsis gegen die Pharmaindustrie. Ich habe selbst zu oft erlebt, wie Medikamentenstudien gemacht werden und gesehen, welche finanziellen Konstrukte da hinter stehen. Darum habe ich bei meinen Kindern auch eine sehr kritische Meinung zum Thema Impfen. Die Pharmaindustrie ist viel zu mächtig. Ich denke auch oft darüber nach, wie sehr ich meinen Körper durch die Therapie schwäche und schädige. Mich würde es vielleicht auch sehr interessieren, mal einen Erfahrungsbericht von einem Patienten zu lesen, der auf jegliche Therapie verzichtet hat, aber ich hätte zuviel Angst zu erfahren, dass er es nicht geschafft hat.
Nochmals: Jeder hat das Recht seine Entscheidung selbst zu treffen und wir dürfen es nicht kritisieren. Nur Denkanstöße geben.
Jazzer, ich bekomme bei Deinen Beiträgen vom 16.August den Eindruck, dass Du genau danach suchst. Du möchtest Für und Wieder abwägen und gerne weiter ohne Therapie auskommen, Du bist aber auch wütend, wie wir alle. Wütend auf die Erkrankung, wütend auf die Ausweglosigkeit und vielleicht doch auch ein wenig depressiv - nein, verzeih, ich möchte Dir damit nicht zu nahe treten. Ich kann es nicht beurteilen, es scheint mir nur so, weil ich diese Art von Gefühlen so gut kenne. Jeder von uns kennt sie. Jeder von uns hat manchmal keine Lust mehr. Keine Lebenslust mehr. Jeder von uns schreit das manchmal heraus, ob laut oder leise. Gut, dass uns dann unsere Angehörigen wieder auffangen. Danke, dass es sie gibt. Auch für sie, aber ganz besonders für uns selbst, lohnt es sich zu kämpfen.
Puhhhh. dafür, dass ich mich raus halten wollte, habe ich ganz schön viel geschrieben :oops:
LG
Ma